Warum wir in unseren Texten keine Fotos zeigen

... um den Raum für das Wesentliche zu öffnen: Die Entfaltung Ihres Kindes.

Hier präsentieren wir unser Web-Tagebuch (Blog), in dem wir (versuchen ;) unsere pädagogischen Gedanken, Ideen und Tipps für Eltern sowie aktuelle Ereignisse aus unserem Schulalltag festzuhalten.

Da das gesamte Team hier mit unterschiedlichen Werkzeugen (Handys, Computer, …) von verschiedenen Orten (unterwegs, zu Hause, in der Schule, …) Artikel veröffentlicht, kann jeder Beitrag anders aussehen.

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Nach Denken
Bild & Co.
Warum wir Bilder verwenden

⏱ Lesedauer: ca. 4 Minuten

Es gibt einen Moment, in dem ein Bild mehr zerstört als zeigt.

Stellen Sie sich vor: Ein Kind liegt auf dem Boden, rechnet mit Würfeln. Ein anderes sitzt konzentriert am Tisch. Ein drittes schaut gerade aus dem Fenster. Drei Kinder, drei Lernwege. Und dann – Klick – wird ein Foto gemacht.

Was sehen Sie auf diesem Bild? Ein Kind am Boden. Aber nicht Ihr Kind. Nicht diesen Moment. Sondern: Emilia aus der 2a. An einem Dienstag im Oktober. Um 10:17 Uhr.

Das Bild lügt nicht. Aber es verspricht zu viel.

Das Versprechen, das kein Foto halten kann

Fotos aus dem Schulalltag suggerieren: „So ist es bei uns. Immer.“ Sie schaffen eine falsche Konkretheit. Eltern sehen ein lächelndes Kind im Kreis sitzen und fragen sich: „Warum erzählt mein Kind nie von solchen Kreisen?“ Oder sie sehen ein konzentriertes Gesicht über einem Buch und denken: „Warum liest meine Tochter in der Schule nicht so?“

💡 Hintergrund: Somatische Marker
Die Hirnforschung kennt dieses Phänomen: Unser Gehirn verwechselt das Konkrete mit dem Typischen. Ein einziges starkes Bild überschreibt abstrakte Informationen. Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio nennt das „somatische Marker“ – Bilder prägen sich tiefer ein als Worte, auch wenn sie nur einen Bruchteil der Wahrheit zeigen.

Ein Foto eines Kindes ist immer das Foto eines Kindes. In einem Moment. Mit einer Stimmung.
Unsere Schule aber ist: Viele Kinder. Viele Momente. Viele Stimmungen.

Das Recht am eigenen (nicht gezeigten) Bild

Und dann ist da noch etwas anderes: Würden Sie wollen, dass das Gesicht Ihres Kindes – beim Nachdenken, beim Zweifeln, beim Stolpern – für immer im Internet zu finden ist?
Wir haben uns entschieden: Nein.
Nicht, weil wir nichts zu zeigen hätten. Sondern weil wir zeigen wollen, was geschieht – nicht wer.

📍 GEDANKE

Jedes Kind hat das Recht, in der Schule zu wachsen, ohne dass dieser Prozess dokumentiert, archiviert, gegoogelt werden kann. Die UN-Kinderrechtskonvention spricht vom „Recht auf Privatsphäre“ – auch (und gerade) in Bildungseinrichtungen.
Fotos machen Kinder zu Stellvertretern. Zu Symbolen für „Lernen“, „Freude“, „Konzentration“. Aber kein Kind sollte Symbol sein müssen.

Warum KI-Illustrationen mehr Raum lassen

Unsere Illustrationen – handgezeichnet wirkend, skizzenhaft, reduziert – tun etwas anderes als Fotos: Sie zeigen nicht ein Kind, sondern die Idee von Lernen. Sie konkretisieren nicht, sie deuten an.

Die Idee von Lernen braucht keinen konkreten Beweis, sondern Raum zum Atmen.

Der Psychologe Jerome Bruner beschrieb, wie abstrakte, symbolische Darstellungen das Denken aktivieren. Sie fordern unser Gehirn auf, mitzuarbeiten, weiterzudenken. Ein gezeichnetes Kind am Tisch lädt Sie ein, sich Ihr Kind vorzustellen. Nicht Emilia aus der 2a.

Diese Bilder schaffen Identifikation ohne Festlegung. Sie erzählen von Möglichkeiten, nicht von einem einzelnen Mittwochvormittag. Sie schützen die Privatsphäre der Kinder und öffnen gleichzeitig den Raum für Ihre eigene Vorstellungskraft.

„Ein Foto sagt: „So war es.“ Eine Illustration sagt: „So könnte es sein. Für jedes Kind.“

Instagram ist anders – und das ist gut so

Auf unserem Instagram-Kanal sehen Sie durchaus echte Fotos aus dem Schulalltag. Bunte Bastelarbeiten auf dem Tisch. Ein Blick in den leeren Turnsaal am Morgen. Die fertigen Werkstücke aus dem Werkunterricht. Den Herbstbaum im Hof. Aber: nie das Gesicht. Nahaufnahmen ausschließlich nachbearbeitet. Keine Namen.

Instagram ist die Postkarte. Der Blog ist der Brief.
INSTAGRAM: DIE POSTKARTE
Der Ort für den Moment – flüchtig, atmosphärisch, sinnlich. Ein Lichtstrahl durch das Fenster der 3b. Das Gemurmel beim Morgenkreis. Die Farben eines Projekts. Es geht um: „Das ist jetzt gerade.“
DER BLOG: DER BRIEF
Der Ort für das Prinzip. Hier wollen wir nicht zeigen, wie es aussieht, sondern erklären, warum es wirkt. Hier braucht es Gedanken, die in Ihrem Kopf Bilder entstehen lassen.

Warum dieser Unterschied? Weil Instagram der Ort für den Moment ist. Dieser Blog hingegen ist der Ort für das Prinzip. Hier braucht es keine realen Gesichter – hier braucht es Gedanken, die in Ihrem Kopf Bilder entstehen lassen. Beides hat seinen Platz. Aber beides folgt eigenen Regeln.

Der Zeltgasse-Weg

📍 Unsere Haltung

Wir haben gelernt: Eltern wollen nicht Beweise. Sie wollen Verstehen. Unsere Illustrationen entstehen, weil wir glauben, dass Schule nicht bewiesen werden muss – sondern erzählt. Nicht mit den Gesichtern von Kindern, die nie um Erlaubnis gefragt wurden, Testimonials zu sein. Sondern mit Bildern, die Stimmung machen. Die Sie einladen, sich Ihr eigenes Kind vorzustellen. Am Boden. Am Tisch. Am Fenster. Drei Lernwege. Alle richtig. Und kein Klick.
„Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
(Antoine de Saint-Exupéry)
 

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