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Stellen Sie sich vor: Ein Kind liegt auf dem Boden, rechnet mit Würfeln. Ein anderes sitzt konzentriert am Tisch. Ein drittes schaut gerade aus dem Fenster. Drei Kinder, drei Lernwege. Und dann – Klick – wird ein Foto gemacht.
Was sehen Sie auf diesem Bild? Ein Kind am Boden. Aber nicht Ihr Kind. Nicht diesen Moment. Sondern: Emilia aus der 2a. An einem Dienstag im Oktober. Um 10:17 Uhr.
Das Bild lügt nicht. Aber es verspricht zu viel.
Das Versprechen, das kein Foto halten kann
Fotos aus dem Schulalltag suggerieren: „So ist es bei uns. Immer.“ Sie schaffen eine falsche Konkretheit. Eltern sehen ein lächelndes Kind im Kreis sitzen und fragen sich: „Warum erzählt mein Kind nie von solchen Kreisen?“ Oder sie sehen ein konzentriertes Gesicht über einem Buch und denken: „Warum liest meine Tochter in der Schule nicht so?“
💡 Hintergrund: Somatische Marker
Ein Foto eines Kindes ist immer das Foto eines Kindes. In einem Moment. Mit einer Stimmung.
Unsere Schule aber ist: Viele Kinder. Viele Momente. Viele Stimmungen.
Das Recht am eigenen (nicht gezeigten) Bild
Und dann ist da noch etwas anderes: Würden Sie wollen, dass das Gesicht Ihres Kindes – beim Nachdenken, beim Zweifeln, beim Stolpern – für immer im Internet zu finden ist?
Wir haben uns entschieden: Nein.
Nicht, weil wir nichts zu zeigen hätten. Sondern weil wir zeigen wollen, was geschieht – nicht wer.
📍 GEDANKE
Fotos machen Kinder zu Stellvertretern. Zu Symbolen für „Lernen“, „Freude“, „Konzentration“. Aber kein Kind sollte Symbol sein müssen.
Warum KI-Illustrationen mehr Raum lassen
Unsere Illustrationen – handgezeichnet wirkend, skizzenhaft, reduziert – tun etwas anderes als Fotos: Sie zeigen nicht ein Kind, sondern die Idee von Lernen. Sie konkretisieren nicht, sie deuten an.

Der Psychologe Jerome Bruner beschrieb, wie abstrakte, symbolische Darstellungen das Denken aktivieren. Sie fordern unser Gehirn auf, mitzuarbeiten, weiterzudenken. Ein gezeichnetes Kind am Tisch lädt Sie ein, sich Ihr Kind vorzustellen. Nicht Emilia aus der 2a.
Diese Bilder schaffen Identifikation ohne Festlegung. Sie erzählen von Möglichkeiten, nicht von einem einzelnen Mittwochvormittag. Sie schützen die Privatsphäre der Kinder und öffnen gleichzeitig den Raum für Ihre eigene Vorstellungskraft.
Instagram ist anders – und das ist gut so
Auf unserem Instagram-Kanal sehen Sie durchaus echte Fotos aus dem Schulalltag. Bunte Bastelarbeiten auf dem Tisch. Ein Blick in den leeren Turnsaal am Morgen. Die fertigen Werkstücke aus dem Werkunterricht. Den Herbstbaum im Hof. Aber: nie das Gesicht. Nahaufnahmen ausschließlich nachbearbeitet. Keine Namen.

Der Ort für den Moment – flüchtig, atmosphärisch, sinnlich. Ein Lichtstrahl durch das Fenster der 3b. Das Gemurmel beim Morgenkreis. Die Farben eines Projekts. Es geht um: „Das ist jetzt gerade.“
Der Ort für das Prinzip. Hier wollen wir nicht zeigen, wie es aussieht, sondern erklären, warum es wirkt. Hier braucht es Gedanken, die in Ihrem Kopf Bilder entstehen lassen.
Warum dieser Unterschied? Weil Instagram der Ort für den Moment ist. Dieser Blog hingegen ist der Ort für das Prinzip. Hier braucht es keine realen Gesichter – hier braucht es Gedanken, die in Ihrem Kopf Bilder entstehen lassen. Beides hat seinen Platz. Aber beides folgt eigenen Regeln.
Der Zeltgasse-Weg
📍 Unsere Haltung
(Antoine de Saint-Exupéry)